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Oltener Tagblatt 1993



Oltener Tagblatt Mai 1993


Berner Landbote November 2002


Berner Zeitung November 2002


Berner Zeitung 2003



Berner Zeitung 2004


Berner Zeitung 2005


Berner Zeitung 2005


Wie der Verkauf eines Kalbes in der Melancholie endet
Mit dem Stück «Die kleine Niederdorfoper» wagt sich die Aaretaler Volksbühne an leichten Stoff. Dieser verlangt schwergewichtigen Einsatz. Ab nächstem Samstag wird in Münsingen der Tanz um Heiris Kalb aufgeführt.

«... de Heiri hät es Chalb verchauft ...» - seit über fünf Jahrzehnten ertönt der Song aus dem Radio. Und den Film mit Ruedi Walter und Margrit Rainer sendet das Fernsehen mindestens einmal pro Jahr. Vor allem jene, die in den 50er-Jahren jung waren, geraten bei der «kleinen Niederdorfoper» ins Träumen. «Die Älteren von der Aaretaler Volksbühne wollten das Stück schon lange spielen», sagt Regisseurin Beatrice Riesen-de Zordo. Nach mehreren «sehr modernen Inszenierungen» habe man sich nun für das Stück entschieden.

Clowneske Melancholie

Die Theaterleute haben mit dem leichten Stoff keine einfache Aufgabe gewählt. Dass Leichtigkeit nicht seicht sein muss, beweist der Bauer Heiri (Toni Hüsler). Ja, der Mann im «Halblynige» hat ein Kalb verkauft und will das feiern. Frauen müssen her. Bier und Musik. Heiris übermässigem Übermut ist anzumerken, dass die Festfreude in Enttäuschung kippen wird. Meisterhaft, wie das leichtfüssig über die Bühne tänzelnde Bäuerlein in clowneske Melancholie kippt. Geld weg, Frauen weg, alles weg. Hat er zuerst gesungen «... der Heiri het sis Chalb 

In Festlaune: Heiri (2.von links) verjubelt mit drei leichten Mädchen und 
einem Jüngling das Geld, das er mit dem Verkauf eines Kalbes verdient hat. 
(Bild: Andreas Blatter)
verchauft ...», ringt er sich später ein trauriges «... mir mag ja niemer öppis gunne» ab.

Verstaubte Moral

Man riecht ihn förmlich, den Mief der Fünfzigerjahre. Die Männer tragen Hüte, die Frauen Geblumtes mit Schürzen drüber. Ausser denen aus dem Milieu, die ihre Reize mit Netzstrümpfen und Décolleté schmücken. Authentisch, aber mit einem Augenzwinkern zeigt die Aaretaler Volksbühne das Stück, mit dem 1951 Ruedi Walter und Margrit Rainer gross herausgekommen sind.

In der Neufassung von Max Rüeger und Werner Wollenberger sind Text und Handlung zwar etwas entstaubt, nicht aber die Moralvorstellungen. Diese wirken heute ziemlich altbacken: Ruthli (Jolanda Schild) steht kurz vor ihrer Verlobung mit dem Polizisten Bruno (Remo La Marra). Dass sie ihren Flirt mit dem Chansonnier André (Hans Joachim Frick) auslebt und abends sogar noch alleine ausgeht, war in der damaligen Zeit unerhört. Umso mehr, als sie sich in ein Lokal begibt, in dem leichte Damen verkehren. Historisches Lustspiel

«Die kleine Niederdorfoper» spielt in der Welt der Huren, kleinen Gauner und biederen Bürger. Es gibt kein Happyend, die Bösen werden nicht bestraft, und bei den Braven geht das Leben weiter wie bis anhin. Gezeigt wird eine Momentaufnahme von gestern. Die 30 Spielerinnen und Spieler der Aaretaler Volksbühne machen aber nicht auf Nostalgie. Sie schauspielern, singen und tanzen mit der Leichtigkeit, die dem historischen Lustspiel gebührt. Und obwohl man «... de Heiri hät es Chalb verchauft ...» schon hundertfach gehört hat, kann man sich dem Charme des Songs und des Stücks nicht entziehen.

Laura Fehlmann


Mit Livemusik begleitet

«Die kleine Niederdorfoper» stammt aus der Feder von Walter Lesch, die Musik von Paul Burkhard. Die Aufführungen werden vom Pianisten Armin Waschke, dem Schlagzeuger Lukas Knecht und dem Klarinettisten Pascal Chevalier begleitet. lfc


Berner Zeitung 2006



Die gnädigen Herren kennen kein Erbarmen: Regisseur Alex Truffer zeigt im Berner Theater am Käfigturm Walter Kauers «Vreneli ab em Guggisberg» als schön-traurige, schlichte Geschichte.Das Thema ist scheusslich, aber die Szene so gut wie aus dem Theaterhimmel: Der reiche gnädige Herr schändet seine Dienstmagd Anna. Ohne Gewalt, aber so brutal, dass einem der Atem stockt, bringt das Regisseur Alex Truffer auf die Bühne. Kurz, schnell und stark, man darf es bei einer Vergewaltigung kaum sagen: Die Szene ist ein Genuss.


Truffer hat fürs Berner Heimatschutztheater (BHT) «Vreneli ab em Guggisbärg» inszeniert. Heimatschutz und Vreneli, das lässt im Berner Käfigturm-Theater allergattig Gmögigs erahnen. Falsch. Der Berner Autor Walter Kauer (1935–1987) hat das «Guggisberg-Lied» als Ausgangspunkt für eine knallharte Geschichte benützt. Er erzählt von Anna Kessler, die in seiner Version die Mutter des Guggisberg-Vrenelis ist. Bedrängt vom Landvogt und der verbohrten Berner Justiz des 18. Jahrhunderts, flieht Anna in den Freitod. Ob ihr Kind Vreneli mit Simes Hans-Joggeli «änet dem Bärg» ein besseres Leben haben wird, bleibt offen. Kauer hat diesen Stoff zum Roman «Gastlosen» verarbeitet und später zu einem Hörspiel umgeschrieben. Das Berner Theater 1230 brachte diese Adaption vor mehr als zwanzig Jahren als Bühnenfassung vors Publikum.


Darsteller aus der Region


Alex Truffer hat für seine Mundartinszenierung zehn Laien-schauspieler aus der ganzen Region Bern verpflichtet. Immer mehr besetzen Theatervereine ihre Stücke nicht nur mit Mitgliedern, sondern engagieren Topamateure aus einem stets grösseren Umkreis. Diese Entwicklung schafft Probleme. Wenn die Stammmitglieder bloss noch die Pausenbar bedienen dürfen, kippt irgendwann die Stimmung. Gut möglich also, dass das BHT Schwierigkeiten kriegt. Jetzt aber hat die Bühne dank diesem Vorgehen eine ganz und gar gelungene Produktion mit hervorragenden Schauspielern gewonnen.


Das «Guggisberg-Lied» öffnet Herzen und Tränendrüsen. Truffer benützt es, um die Szenen zu verbinden. Der Akkordeonist Christian Hadorn und die beiden Sängerinnen Sara Hidalgo und Catherine Comte wandeln die Moll-Melodie vielfältig um und schaffen damit einen schön-traurigen Kontrast zur harten Story.


Eindrücklich ausgestattet


Remo La Marra entwickelt sich bei seiner Rolle als Ruchmüller vom korrumpierbaren Mitläufer zum verunsicherten Zweifler. Als dessen Gattin überzeugt Therese Wittwer. Etwas gar schrill und deshalb ohne Tiefe agiert Willy Beutler als adliger Amtsschreiber. Ungeteilt freuen kann man sich dagegen über Monika Balsiger als Anna. Sie meistert die Rolle der Dienstmagd, die den unbarmherzigen gnädigen Herren trotzt, mit bewundernswerter Präsenz.


Eine schlichte optisch starke Ausstattung ergänzt den ausgezeichneten Eindruck. Truffer arbeitet mit mobilen Bühnenelementen und begnügt sich mit bloss angedeuteten Kostümen. Das lasst schnelle Umbauten und Rollenwechsel zu und beschleunigt das Tempo.  Peter Steiger


pst


Berner Bär 09.03.06



Berner Bär 24.03.06


Der Bund 24.03.2006


Suche nach Glück 

Käfigturm-Theater Das traditionsreiche Berner Heimatschutz-Theater feiert das Jubiläum seines 90-jährigen Bestehens mit dem Stück «Vreneli ab em Guggisbärg» nach Walther Kauers gleichnamigem Hörspiel und seinem Roman «Gastlosen». Der Autor umkreist das berühmte Volkslied mit einer klug erfundenen, sozialkritischen «Saga über Liebe, Hoffnung und die Suche nach Glück», die – angesiedelt im 18. Jahrhundert – höchst eindrucksvoll von der Macht der Herrschenden und der Ohnmacht der Unterdrückten berichtet.


Natürlich ist dabei nicht ein liebenswürdiges Singspiel mit sanft tragischem Hintergrund entstanden: Kauers Text prangert offen und direkt die entsetzlichen Ungerechtigkeiten des damaligen sozialen Gefüges an und schreckt auch nicht vor brutalen Szenen zurück.
Dem zehnköpfigen Ensemble des Berner Heimatschutztheaters ist im Theater am Käfigturm unter der souveränen Regie und mit der stimmungsfördernden Bühnengestaltung von Alex Truffer eine klar konturierte, überaus intensive Inszenierung geglückt. Besonders die drei Hauptrollen – die Fahrende Anna (Monika Balsiger), der Bauer Ruchmüller (Remo La Marra) und die Ruchmüllerin (Therese Wittwer) – werden so sicher, beseelt und hochdramatisch vital nachvollzogen, dass das Publikum zwei Stunden lang in den Bann eines ausweglosen Geschehens katapultiert wird.
Ein nicht unbedeutender Schönheitsfehler ist Truffer allerdings mit der Führung des Amtsschryber-Darstellers unterlaufen: Die extreme Karikierung dieser nicht unwichtigen Rolle stört leider nicht selten die glaubhaft ernsten Anliegen des Stücks und rückt das Ganze dann in eine kabarettähnliche Komik ab, die unangebrachte Lacher provoziert.
Sehr gut gelungen sind dagegen die den Abend begleitenden, aus dem populären Guggisberg-Lied abgeleiteten musikalischen Einlagen, für die der vorzügliche Akkordeonist Christian Hadorn und die Sängerinnen Catherine Comte und Sara Hidalgo verantwortlich zeichnen. Sie verbinden die einzelnen Auftritte mustergültig und tragen viel zur bemerkenswert positiven Gesamtwirkung dieser Jubiläums-Produktion bei. (-tt-)

Berner Landbote 30. März 2006


Ufem Wäg- Theaterkritiken vom 14.Juli 2006 BZ DerBund zum Stück

Vom Fliegen über Kuckucksnester (Thuner Tagblatt 23.07.07)

Mit beeindruckendem Spiel kehrten die SchlossSpiele Thun nach dem letztjährigen Unterbruch auf die Bühne zurück. Alex Truffers Inszenierung «Einer flog über das Kuckucksnest» überzeugt – auch die Filmfans.


Er ist alles andere als ein leichter Mitmensch, und er würde mit einem Lachen in der Kehle selbst am Galgen baumeln: Der Kleinkriminelle McMurphy landet zwar nicht dort, wo in alten Zeiten seine Vorgänger hingen. Aber niemand im Publikum der SchlossSpiele Thun beneidet ihn um sein Schicksal. Eingewiesen in die Psychiatrie gewinnt er das Vertrauen seiner Mitinsassen und lehnt sich – getreu seinem Credo ausserhalb dieser geschlossenen Anstalt – gegen die alles kontrollierende Oberschwester Ratched auf.

Eindrückliche Darsteller

«Rat shit» – «Rattenscheisse» – nennt er sie unverfroren. Und sie schaut den neuen, rebellischen Insassen McMurphy nur an, ein kleines, mitleidiges Lächeln auf den Lippen. Die Kälte, die trotz leiser Stimme und einem eingefrorenen Lächeln von Ratched ausgeht, lässt das Publikum erschauern. Barbara Schweizer füllt die Rolle gekonnt aus und wird getragen von einem Ensemble, in dem jeder einzelne Mitspieler eine beeindruckende Leistung zeigt.

Da ist der McMurphy-Darsteller Christian Kissler, der glänzend jongliert zwischen Grossmaul und zutiefst sensiblem Menschen, dem Unrecht die Galle hochsteigen lässt. Da ist auch der Arzt, der menschlich agieren möchte, aber ebenfalls unter der Herrschaft der Disziplin-besessenen Oberschwester steht – sehr gut gespielt von Thomas Dähler.

Ein Abbild der Gesellschaft

«Diese Station ist ein Abbild der Gesellschaft. Und weil die Gesellschaft entscheidet, wer verrückt ist, müssen Sie sich diesem Urteil beugen», erklärt er dem rebellischen McMurphy, den er trotzdem sofort ins Herz schliesst. Oder Remo La Marra als Patient Harding, der in klaren Momenten McMurphys Grossspurigkeit einen Spiegel vorhält. Er warnt den aufmüpfigen Insassen vor dem System, das in der Psychiatrie noch stärker gilt als draussen in der Gesellschaft: «Willkommen im Club. Solange du dich unter Kontrolle hast, geschieht dir nichts.»

Eindrücklich mimt Daniel Stähli den Patienten Cheswick, dessen Tick sich in eigenartigen Gesten manifestiert. Und da sind auch Adrian Kurmann als Patient Billy, dessen Stottern seinem Selbstbewusstsein ständig im Wege steht, und McMurphys Freund Bromden (Dominik Müller), ein eingekerkerter Indianer-Häuptling, an dem sich der Rassismus der Pfleger manifestiert.

Die Kraft der anderen

Letzterer flieht sich in angebliche Taubstummheit, um nicht völlig gebrochen zu werden – bis er in McMurphy jenen Mitstreiter erkennt, der ihm die alte Kraft zur Auflehnung zurückgeben kann. Auf einmal hört der alte Indianer Wildgänse und das Rauschen eines Wasserfalls, fühlt die Freiheit statt der bedrohlichen Albträume, in denen jeder seiner Gedanken kontrolliert wird. Als McMurphy den Kampf um ein bisschen mehr Menschlichkeit aufgeben will, stellt der Häuptling fest: «Wie soll ich gross sein, wenn du es nicht bist.» Und der zwangseingewiesene Kleinkriminelle gibt nicht auf – bis zu jenem Moment, in dem er von Billy verraten wird.

Derweil wachsen die anderen Insassen über sich hinaus. Und wenn der Häuptling Bromden einen Mord aus Liebe begehen muss und die Orientierung verliert, steht auf einmal Harding bereit und sagt: «Geh endlich. Grösser wirst du nicht mehr.»

Gut inszenierte Kälte

Unter Alex Truffers Regie erbringen die 19 Darstellerinnen und Darsteller eine Höchstleistung, unterstützt von einem Team, das geschickt technische Mittel wie die dezente Beleuchtung oder die durchdringende Alarmanlage einsetzt. Mit der Reduktion des Bühnenbilds auf zwei graue Kuben, eine ebenso graue Baracke als Kontrollzimmer der Oberschwester, zwei weissen Gardinen und ein paar Holzstühlen wird jene kalte, beengende Atmosphäre geschaffen, in der sich Insassen wie Pfleger als Abbild der Gesellschaft bewegen müssen.

Auch wenn der Einbezug des Publikums, das die Rolle der total Verwirrten zugewiesen erhält, etwas abgedroschen ist – der Besuch von «Einer flog über das Kuckucksnest» der SchlossSpiele Thun lässt nicht kalt. Und er steht auch jenen gut an, die den gleichnamigen Film bisher für unübertrefflich hielten.

Der Bund (23.07.07)

Psychiatrie unter freiem Himmel«Einer flog über das Kuckucksnest» als Freilichtspiel beim Schloss ThunDie Schlossspiele Thun führen den Stoff, der durch Milos Formans Film berühmt geworden ist, in einer berndeutschen Bühnenfassung auf. Alex Truffer siedelt seine liebevolle Inszenierung in den USA der Siebzigerjahre an. 
Das gewaltige Gewitter ist gerade noch rechtzeitig am Schloss Thun vorbeigezogen. Mit einer Viertelstunde Verspätung kann am Freitagabend die Premiere beginnen. Die Zuschauer sehen mit den weissen Coop-Regenpelerinen aus wie Mitglieder des Ku-Klux-Klans. Auf der Bühne tropft noch alles.

Doch davon lassen sich die Spieler und Spielerinnen nicht irritieren. Vom ersten Moment an sind sie mit grösster Hingabe dabei. Die Aufgabe ist nicht leicht: gespielt wird Annemarie Voss’ natürlich zeitgenössisch wirkende, ein bisschen zu umfangreiche Mundartfassung der Broadway-Bearbeitung von Ken Keasys Roman «Einer flog über das Kuckucksnest».

Rebell gegen das Regime

Im Zentrum steht der Kleinkriminelle McMurphy. Kaum in die psychiatrischen Klinik eingetreten, macht er unmissverständlich klar, dass er die Vorschriften missachten und die Gruppentherapien sabotieren wird. Obwohl Widerständlern eine Verlegung «ufe zu de Verwirrte oder id Schockchammere» oder Schlimmeres droht, legt er sich mit der kaltherzigen Oberschwester Ratched an. Gleichzeitig ermutigt er die ruhig gestellten Patienten, sich den erniedrigenden Therapiesitzungen und Regeln zu widersetzen und ihre Würde zu verteidigen.

Nach anfänglicher Skepsis beginnen die Männer auf McMurphy zu hören. Sie verschieben die Fernsehzeiten auf den Nachmittag, spielen um Geld, organisieren eine Party. Doch Ratched duldet die Provokationen nicht: Nach einer heftigen Konfrontation verordnet sie dem Rebellen die brutalste aller Behandlungen.

Seit Keasy 1962 seinen kritischen Roman geschrieben hat, der durch Milos Formans erfolgreiche Verfilmung (1975) berühmt geworden ist, hat sich in der Psychiatrie viel verändert. Doch Regisseur Alex Truffer will nicht zeitgenössische Zustände dokumentieren. Er lässt seine Inszenierung deshalb bewusst in den USA der Siebzigerjahre spielen, wo auch Formans Film angesiedelt ist. Dies mag manche aus heutiger Sicht unrealistisch und überzeichnet wirkende Interaktion zwischen Personal und Insassen sowie den militärischen Ton und Gang der Oberschwester (Barbara Schweizer) erklären. Fraglich ist allerdings, wie gut die auf einer geschlossenen Abteilung in den USA spielende Geschichte in die historische Kulisse des Thuner Schlosses und unter freien Himmel passt.

Stimmig wäre zwar die Mauer des Gefängnisses auf der linken Bühnenseite. Doch leider wird diese genauso wenig in die Inszenierung einbezogen wie die Holzgalerie an der Rückwand, die teilweise sogar mit Stellwänden verdeckt wird. Truffer lässt seine Darsteller ausschliesslich auf einer Holzbühne zwischen einer grauen Überwachungsbaracke mit Megafon, zwei Kuben und einigen Holzstühlen agieren, die oft herumgeschoben werden.

Lebendige Porträts

Dort leisten die 18 Spieler und Spielerinnen aber Hervorragendes. Unter Truffers präziser, liebevoller Regie schaffen sie in höchster Konzentration authentische, lebendige Porträts ihrer verwirrten Figuren. Besondere Erwähnung verdienen Christian Kissler, der McMurphy mitreissende Energie verleiht; Dario De Simone als grinsender, masturbierender Martini samt imaginärem Freund; Adrian Kurmann als ergreifend scheuer Stotterer; Daniel Stähli mit seinen fahrigen Gesten; Remo La Marra als unsicherer Vorsteher des Patientenrats; Dominik Müller als sich taub stellender Häuptling und David Bernath als sabernder, «Scheisse, alles Scheisse» murmelndes Lobotomie-Opfer.

Man sieht, dass viel harte Arbeit in der fast dreistündigen Produktion steckt. Hoffentlich spielt das Wetter bei den kommenden Vorstellungen wieder mit wie bei der Premiere.
Der Bund: Simone von Büren

BZ vom 17.11.2010